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Erdöl- und Gaslagerstätten

In Kohlen­was­ser­stoff­la­ger­stätten spielen Mikro­or­ga­nismen häufig eine wichtige Rolle und können unter ungüns­tigen Verhält­nissen technische Probleme verur­sachen. Die ablau­fenden mikro­biellen Prozesse sind häufig sehr komplex und durch Struktur und Größe der Matrix nur schwer zu beein­flussen. Umso wichtiger ist die Vermeidung einer sekun­dären Konta­mi­nation bzw. ein frühzei­tiges Erkennen und Eingreifen im Schadensfall.

Wir bieten Ihnen speziell angepasste mikro­bio­lo­gische Unter­su­chungen an wasser‑, öl- oder feststoff­hal­tigen Proben unter praxis­re­le­vanten Bedin­gungen aus dem Lager­stät­ten­be­reich oder obertä­gigen Anlagenteilen.

Leistungsumfang

  • Entnahme von flüssigen Proben oder Feststoffen aus den entspre­chenden geolo­gi­schen Struk­turen oder Anlagenteilen
  • Unter­su­chung der Proben auf alle relevanten Bakteriengruppen
  • Unter­su­chung der vorge­fun­denen Bakterien auf die Verwertung relevanter Stoffe, z.B. Wasser­stoff sowie auf die Bildung von kriti­schen Stoff­wech­sel­pro­dukten, z.B. Schwefelwasserstoff
  • Bestimmung des Besied­lungs­grades und der Aktivität unter den jewei­ligen Stand­ort­be­din­gungen (Salzgehalt, Tempe­ratur, Chemie, Druck)
  • Identi­fi­zierung indivi­du­eller Bakte­ri­en­gruppen in vorge­fun­denen Mikro­or­ga­nis­men­spektren mittels moleku­lar­bio­lo­gi­scher und bioche­mi­scher Methoden
  • Ermittlung der Ursachen für mikro­bielle Besied­lungen und Ableitung möglicher Gegenmaßnahmen
  • Empfeh­lungen zur Stabi­li­sierung von Bohrspü­lungen, Flutwässern oder Sole
  • Überprüfung der Wirksamkeit einge­setzter Biozide
  • Gutachten, Risiko­be­wertung, wissen­schaft­liche Studien

Typische mikrobiell verursachte Störfälle sind:

  • Mikro­bielle Korrosion an Sonden­köpfen, Rohrlei­tungen oder obertä­gigen Anlagenteilen
  • Quali­täts­min­derung durch Schwefelwasserstoffbildung
  • Blockierung von Sonden oder Verstop­fungen in obertä­gigen Anlagen aufgrund mikro­bieller Stoff­wech­sel­pro­dukte (z.B. FeS) oder bakte­ri­ellen Bewuchses (Biofilme, Schleimbildung)
  • Versäuerung, Ausfäl­lungen oder Ablagerungen
  • Permea­bi­li­täts­min­de­rungen in der Schicht
  • Versagen von Spülungs- oder anderen Bohrchemikalien

Die Unter­su­chungen erfordern in jedem Fall eine mikro­bio­lo­gische Betrachtung der konkreten Stand­ort­be­din­gungen. Spezielle und erprobte Testmedien und –verfahren garan­tieren eine zuver­lässige Analyse und Typisierung der vorkom­menden Organismen. Darüber hinaus ermög­lichen bewährte Lebend­tests eine anwen­der­ori­en­tierte, weitge­hende Charak­te­ri­sierung der nachge­wie­senen Bakte­ri­en­po­pu­la­tionen. Ergänzt werden diese Analysen durch moleku­lar­bio­lo­gische Nachweis- und Typisierungsverfahren.

Fallbeispiele

Injektionswasseruntersuchugnen und Biozidtest

Auf einem Erdölfeld wurde dem Injek­ti­ons­wasser zur Vorbeugung gegen bakte­rielle Infek­tionen ein Biozid zugesetzt. Trotzdem konnte in mehreren Tiefen­proben des Flutwassers der Lager­stätte die Entwicklung von Bakterien nachge­wiesen werden. Es war zu klären, warum das einge­setzte Biozid keine ausrei­chende Wirkung auf die Bakterien des Injektions- bzw. Flutwassers hatte.

Durch mikro­bio­lo­gische und moleku­lar­bio­lo­gische Unter­su­chungen wurde die in der Lager­stätte auftre­tende Bakte­ri­en­po­pu­lation charak­te­ri­siert und Keimge­mische für die Biozid­tests kultiviert.

Zur Bestimmung der bioziden Wirksamkeit wurden alle dem Flutwasser zudosierten Chemi­kalien berück­sichtigt. Dabei konnte in Lebend­tests nachge­wiesen werden, dass der einge­setzte Sauerstoff-Scavenger wirksame Kompo­nenten des Biozides inhibiert, wodurch die biozide Wirkung nachweislich stark einge­schränkt wurde. Zusätzlich wurde mit dem Scavanger eine fehlende Nährsalz­kom­po­nente in die Lager­stätte einge­tragen, wodurch es noch zu einer Verstärkung des bakte­ri­ellen Wachstums kam.

Durch Testung und Auswahl eines alter­na­tiven Biozid-Präparates konnte das Problem behoben werden.

Nitratbehandlung einer Lagerstätte

Durch Injektion von sulfat­hal­tigem Wasser in eine Öllager­stätte wurde eine unerwünschte mikro­biell verur­sachte Sulfid­bildung ausgelöst. Zur Unter­drü­ckung von sulfat­re­du­zie­renden Bakterien (SRB) sollte der Einsatz von Nitrat unter­sucht werden. Unter bestimmten Voraus­set­zungen kann die Dosierung von Nitrat zur Hemmung der Sulfat­re­duktion führen.

Mit entspre­chenden Proben der Lagerstätten- und Injek­ti­ons­wässer wurden unter Lager­stät­ten­be­din­gungen zahlreiche Modell­ver­suche mit zuvor angerei­cherten SRB-Keimgemischen durchgeführt.

Die umfang­reiche Studie ergab, dass Nitrat direkt nur eine zeitlich begrenzte unter­drü­ckende Wirkung hatte. Sind hingegen Nitrat­re­du­zierer vorhanden, welche Nitrat zu Nitrit reduzieren, wirkt Nitrit nachhaltig hemmend auf die Sulfat­re­duktion. Die komplexen Hemmwir­kungen und konkreten Bedin­gungen wurden beschrieben und entspre­chende Handlungs­emp­feh­lungen für den Betreiber ausgearbeitet.

Untersuchung von Ablagerungen an einer Sonde

Als Folge von Ausfäl­lungen und Ablage­rungen traten an der Sonde einer Verpress­bohrung Verstop­fungen auf. Um mögliche bakte­rielle Prozesse auszu­schließen wurden an rückge­för­dertem Wasser entspre­chende Unter­su­chungen durch­ge­führt. Die Ergeb­nisse zeigten keinerlei lebende Bakterien oder keimfähige Sporen. Die Ablage­rungen wurden als minera­lische Partikel charak­te­ri­siert und später chemisch weiter unter­sucht. Eine aktuelle Gefährdung durch mikro­bielle Aktivi­täten konnte ausge­schlossen werden.