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Abgeschlossene Forschung

UMAS — Untertägige Methanisierung im Aquiferspeicher

Im UMAS-Forschungsprojekt (01.05.2020 – 30.09.2022) wurde die technische, ökono­mische und soziöko­no­mische Machbarkeit sowie das ökolo­gische Potenzial der unter­tä­gigen Metha­ni­sierung im seit 2017 still­ge­legten Berliner Erdgas­speicher unter­sucht. Das Konzept sah vor, Strom aus Erneu­er­baren Energien (Wind- oder Solar­energie) zur Wasser­stoff­er­zeugung mittels Elektrolyse zu nutzen. Dieser Wasser­stoff sollte gemeinsam mit Kohlen­dioxid in die poröse Sandstein­schicht des Speichers einge­leitet und durch Mikro­or­ga­nismen zu Methan umgewandelt werden.

Exper­tinnen und Experten der Projekt­partner: Berliner Erdgas­speicher GmbH, DBI – Gas und Umwelt­technik GmbH, IÖW – Institut für ökolo­gische Wirtschafts­for­schung GmbH, MicroPro GmbH, Reiner Lemoine Institut gGmbH und Technische Univer­sität Clausthal arbei­teten eng zusammen, um das Potenzial des Berliner Erdgas­spei­chers für die Energie­wende zu erfor­schen. Die MicroPro GmbH war dabei für die mikro­bio­lo­gische Unter­su­chung des Berliner Erdgas­spei­chers verantwortlich.

In einem ersten Schritt wurde unter­sucht, welche Organismen bereits im Unter­grund­speicher vorhanden sind, und ob diese unter den Speicher­be­din­gungen für die Umwandlung von CO2 und Wasser­stoff zu Methan genutzt werden können. Darüber hinaus waren Unter­su­chungen bezüglich der Effek­ti­vität und des Schad­po­ten­tials der Organismen geplant.

Die mikro­bio­lo­gi­schen Unter­su­chungen zeigten dabei, dass eine mikro­bielle Metha­ni­sierung mit wasser­stoff­ver­wer­tenden Archaeen unter geeig­neten Bedin­gungen grund­sätzlich durch­führbar ist, die notwen­digen Lebens­be­din­gungen aber im Berliner Aquifer­speicher nicht gegeben waren. Die für die biolo­gische Metha­ni­sierung von Wasser­stoff notwen­digen metha­no­genen Archaeen waren im Forma­ti­ons­wasser des Speichers nicht nachweisbar. Aktive Anrei­che­rungs­kul­turen von metha­no­genen Kulturen von anderen Stand­orten konnten unter den hochsa­linen Bedin­gungen des Berliner Speichers (22–25%) nicht überleben.
Es wurde nachge­wiesen, dass die hohe Salinität ursächlich für die Inakti­vität der Metha­no­genen verant­wortlich ist und damit die wesent­lichen Voraus­set­zungen für die Etablierung eines biolo­gi­schen Metha­ni­sie­rungs­pro­zesses im Berliner Speicher fehlen. Für diese weitrei­chende Feststellung wurden mehrere frische Tiefen­was­ser­proben aus dem Berliner Speichers mikro­bio­lo­gisch und moleku­lar­bio­lo­gisch unter­sucht und die Minimal­an­for­de­rungen an die Speicher­be­din­gungen in Modell­ver­suchen ermittelt.

Als Fazit der mikro­bio­lo­gi­schen Unter­su­chungen wurde festeg­stellt, dass die beabsich­tigte Etablierung der Bio-Methanisierung von Wasser­stoff und Kohlen­stoff­dioxid im Berliner Speicher aus mikro­bio­lo­gi­scher Sicht mit großen techni­schen Heraus­for­de­rungen (Verdünnung der Sole mit Süßwasser und Animpfung mit stand­ort­fremden Mikro­or­ga­nismen) und gewissen Risiken (H2S-Bildung) verbunden ist.
Daher wurde das Gesamt­vor­haben aus wirtschaft­licher Sicht gestoppt und Unter­su­chungen zu dieser Thematik am Berliner Speicher beendet.

Das zweiein­halb­jährige Projekt UMAS (Projekt­poster) wurde vom Bundes­mi­nis­terium für Wirtschaft und Klima­schutz im Rahmen des Energie­for­schungs­pro­gramms gefördert.

H2-UGS — Mikrobiologie der Untergrundspeicherung von Wasserstoff

In Unter­grund­spei­chern können Mikro­or­ga­nismen schwere Schäden an den darin enthal­tenen Gütern und techni­schen Anlagen verur­sachen. Trotz der Relevanz der bevor­ste­henden Nutzung von Unter­grund­spei­chern mit Wasser­stoff liegen zu den mikro­biellen Prozessen in diesen Speichern noch keine syste­ma­ti­schen Unter­su­chungen vor. Dies steht im krassen Gegensatz zum Entwick­lungs­po­tenzial von Mikro­or­ga­nismen in Wasserstoff-Untergrundspeichern.

Zur Unter­su­chung der Risiken, dem möglichen Schadens­po­tenzial für die technische Instal­la­tionen und mikro­bio­lo­gische Vorgänge bei der Unter­grund­spei­cherung von Wasser­stoff wird derzeit ein Forschungs­projekt durch­ge­führt. Ziel ist es, die poten­ti­ellen Stoff­wech­sel­pro­zesse und die betei­ligten Mikro­or­ga­nismen zu charak­te­ri­sieren. In praxis­nahen Labor­ver­suchen werden mikro­bio­lo­gische Szenarien model­liert, um die wesent­lichen Einfluss­pa­ra­meter auf die poten­ti­ellen Prozesse zu analy­sieren und Kriterien zur Speicher­auswahl bzw. Risiko­ab­schätzung bereit­zu­stellen. Die vorge­se­henen Unter­su­chungen bauen auf umfang­reichen Erfah­rungen mit mikro­biell verur­sachten Schäden bei der Unter­grund­gas­spei­cherung und Nutzung der Geothermie auf und dienen als Vorstufe für objekt­spe­zi­fische Anwendungsstudien.

Einfluss von Biogas und Wasserstoff auf die Mikrobiologie in Untertagespeichern

Die Litera­tur­studie beleuchtet mögliche Auswir­kungen und Risiken mikro­bio­lo­gi­scher Prozesse in Unter­grund­spei­chern, mit Blick auf eine anteilige Einspeisung von Wasser­stoff und Bio-Methan in das Erdgasnetz. Es werden die vielfäl­tigen mikro­biellen Stoff­wech­selwege darge­stellt und praxis­re­le­vante ökolo­gische Parameter der Speicher­mi­kro­bio­logie, Wechsel­wir­kungen mit Gesteins­matrix und Forma­ti­ons­wässern, Konta­mi­na­ti­ons­ri­siken sowie mögliche Auswir­kungen für den techni­schen Speicher­be­trieb diskutiert.

Die mikro­bio­lo­gi­schen Risiken, die mit der antei­ligen Einspeisung von Wasser­stoff und Bio-Methan in das Erdgasnetz verbunden sind, lassen sich auf Basis bereits veröf­fent­lichter Daten in gewissem Umfang abschätzen. Da Wasser­stoff eine Energie­quelle für zahlreiche anaerobe Stoff­wech­sel­pro­zesse ist, besteht ein erheb­liches Gefähr­dungs­po­tential für Unter­grund­speicher, insbe­sondere Poren­speicher. Viele deutsche Speicher bieten die notwen­digen Voraus­set­zungen für einen raschen und vollstän­digen mikro­biellen Abbau einge­brachter Wasser­stoff­an­teile, weshalb eine unbedenk­liche Konzen­tra­ti­ons­un­ter­grenze für Wasser­stoff nicht festgelegt werden kann.

Die schnelle Wasser­stoff­ver­wertung durch sulfat­re­du­zie­rende und metha­nogene Proka­ryoten kann erheb­liche technische und ökono­mische Konse­quenzen nach sich ziehen, wie z.B. Sulfid­bildung (H2S), mikro­biell induzierte Korrosion (MIC) oder Permea­bi­li­täts­ver­rin­gerung im Speicher­ge­stein. Über das mögliche Ausmaß negativer Auswir­kungen und ob bestimmte Speicher mit gerin­gerem Risiko existieren, kann derzeit nur speku­liert werden.

Einfluss von Biogas und Wasserstoff auf die Mikrobiologie in Untertagespeichern

Unter­stützt vom Land Sachsen-Anhalt wurden im Zuge eines 3‑jährigen Forschungs­pro­grammes die Bewer­tungs­kri­terien für eine sichere unter­ir­dische Lagerung von regene­rativ erzeugtem Wasser­stoff analy­siert und ein Verfahren zur Sicher­heits­über­wa­chung von Unter­grund­spei­chern entwi­ckelt. Dieser Metho­den­ka­talog umfasst alle notwen­digen Analysen für eine praxis­re­le­vante mikro­bio­lo­gische Speicher­be­wertung. Darüber hinaus werden Wege zur Behandlung von mikro­biell verur­sachten Störungen aufgezeigt.

Zur Evalu­ierung der Analy­sen­me­thoden wurde eine Kultur­sammlung von Mikro­or­ga­nismen aus deutschen Unter­grund­spei­chern angelegt, die unter unter­schied­lichen Bedin­gungen wachsen. Anhand dieser Kulturen wurde der Einfluss von Mikro­or­ga­nismen auf eine Wasser­stoff­ein­la­gerung unter den unter­schied­lichen ökolo­gi­schen Bedin­gungen von Kavernen- und Poren­spei­chern simuliert und die erfor­der­lichen Begleit­ana­lysen definiert. Im Ergebnis dieser Modell­ver­suche konnten die wesentlichen

Mögliche Strategien zur Vorbeugung und Bekämpfung mikro­bieller Popula­tionen in Speicher­an­lagen wurden unter praxis­re­le­vanten Bedin­gungen in Hochdruck­ver­suchen getestet und bewertet. Das Verfahren zur Speicher­über­wa­chung wurde in das Service­port­folio der MicroPro GmbH übernommen.

Hydrogen Power Storage & Solutions East Germany oder kurz “HYPOS” steht für eines von zehn ostdeut­schen Projekten, welches im Rahmen des Programms “Zwanzig20 – Partner­schaft für Innovation“ durch das Bundes­mi­nis­terium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Zentrales Thema für HYPOS ist die Nutzung und temporäre Speicherung von Strom­über­schuss aus regene­ra­tiven Quellen zur H2-Elektrolyse.

Die poten­zi­ellen Auswir­kungen eines wasser­stoff­sti­mu­lierten Mikro­or­ga­nis­men­wachstums in Kavernen sollen an einem Modell­standort unter­sucht werden. Neben umfas­senden mikro­bio­lo­gi­schen und moleku­lar­bio­lo­gi­schen Analysen sind u.a. Simula­ti­ons­ver­suche geplant. Das Gemein­schafts­projekt ist mittel­fristig angelegt.

Weitere Projekte

Silierung

Im Rahmen einer Forschungs­ko­ope­ration wurden Silagen aus unter­schied­lichen Pflan­zen­teilen herge­stellt, die aufgrund eines erhöhten Acetat- und eines verrin­gerten Lactat­ge­haltes als besonders geeignet für die Produktion von Biogas angesehen wurden.

Die erhöhte Acetat­pro­duktion wurde durch die Animpfung des Pflan­zen­ma­te­rials mit Bakte­ri­en­stämmen aus verschie­denen physio­lo­gi­schen Gruppen induziert. Insbe­sondere durch die Zugabe von heter­o­fer­men­ta­tiven Milch­säu­re­bak­terien konnte eine deutlich erhöhte Acetat­bildung im Siliergut ausgelöst werden. Die auf diese Weise produ­zierten spezi­ellen Versuchs­si­lagen wurden anschließend durch die Forschungs­partner einer Biogas­pro­duktion zugeführt. Dabei wurde die Biogas­pro­duktion quali­tativ und quanti­tativ unter­sucht, um Unter­schiede festzustellen.

Die Konkur­renz­fä­higkeit der für die Silierung einge­setzten Test-Stämme ist sehr unter­schiedlich und stellt eine wesent­liche Heraus­for­derung an das Verfahren dar. Dabei wurde bestätigt, dass sich die Gärsäu­re­muster und die spezi­fi­schen Metha­ner­träge der Pflan­zen­proben durch die Zugabe von biolo­gi­schen Silier­mitteln signi­fikant beein­flussen ließen. In diesem Projekt­ab­schnitt konnte das Prinzip der Gärpro­dukt­steuerung klar bestätigt werden. Weiter­füh­rende Arbeiten werden die Auswahl und Zusam­men­stellung eines geeig­neten Mikro­or­ga­nis­men­kon­sor­tiums zur Biogas-orientierten Silierung zum Inhalt haben.

Ölpositive Bakterien – Spezialeinsatz zur Gewässersanierung

In langjäh­rigen Unter­su­chungen ist es der MicroPro GmbH gelungen, von natür­lichen Stand­orten spezielle Kohlen­was­ser­stoff­ab­bauende Bakterien (u.a. Gordonia) zu isolieren, die sich nicht – wie üblich – in der wässrigen Phase, sondern direkt in der Ölphase entwi­ckeln. In einer Wasser-Öl-Emulsion dringen diese Bakterien in Öltröpfchen ein und gelangen dort zur Massen­ent­wicklung. Dabei wird das Öl durch die Bildung von oberflä­chen­ak­tiven Substanzen stark emulgiert und schnell abgebaut. Besondere Einsatz­ge­biete sind aquatische Systeme (z.B. Seen, Flüsse, Meere) und Uferzonen mit entspre­chenden Ölkon­ta­mi­na­tionen. Beim Eintrag dieser spezi­ellen Bakte­ri­en­kul­turen in ein Wasser-Öl Gemisch gehen die Bakterien direkt in die Ölphase (Konta­mi­nation) über und werden somit nicht durch das Wasser ausverdünnt.

Bakterieller Hanffaseraufschluss

Hanf ist ein Natur­produkt das unter günstigen Bedin­gungen durch ein breites Spektrum von Mikro­or­ga­nismen abgebaut wird. Weder zur Stabi­li­sierung von Hanfpro­dukten durch Biozide noch zur Nutzung von Hanfab­fällen und Recycling­ma­terial zur Gewinnung von Bioen­er­gie­trägern in Form von Wasser­stoff und Methan liegen Angaben aus der Literatur vor.

Durch Anwendung von Methoden zur Bestimmung der bakte­rio­sta­ti­schen und bioziden Wirksamkeit konnten aus über 20 vorausge­wählten Produkten auf Grund ihrer hohen Wirksamkeit gegenüber komplexen Keimge­mi­schen 3 Biozide selek­tiert werden. In Langzeit-Lagertesten mit wieder­holten Animp­fungen wurde eine Stabi­li­sierung sowohl für Hanffa­ser­ma­te­rialien als auch für Tenside aus Hanföl erreicht.

Der mikro­bielle Abbau von Hanffasern wurde eingehend unter­sucht. Bisher nicht beschriebene Struk­turen der Verei­nigung von Elemen­tar­fasern in Faser­bündel wurden nachge­wiesen. Spezielle Bakte­ri­en­kul­turen zum Abbau von Pektin, der anaeroben Gärungen, Zellu­lo­se­zer­setzer und Methan­bildner wurden isoliert. Es wurden Grund­lagen für die Konzeption eines neuen, biotech­no­lo­gi­schen Verfahrens des Faser­auf­schlusses geschaffen, die in das BMBF Projekt 03|1522 überge­leitet werden.

Im labor­tech­ni­schen Maßstab erfolgte die Bestimmung der Biogas­pro­duktion (Methan) aus Abfall­stoffen und Hanffasern mit Ausbeuten von 300 bis 450 m3/t. Ein neuar­tiges zweistu­figes Verfahren einer alkoho­li­schen Gärung mit nachfol­gender Biogas­pro­duktion wurde für Hanf entwi­ckelt. Hiermit konnten pro Tonne Hanfstaub 80 m3 Wasser­stoff und 130 m3 Methan erzeugt werden.