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MEOR — Microbial Enhanced Oil Recovery

Die von der MicroPro GmbH über mehrere Jahre entwi­ckelte MEOR-Technologie (Microbial Enhanced Oil Recovery) stellt ein hochef­fek­tives tertiäres Erdöl-Förderverfahren auf mikro­bieller Basis dar. Der Prozess führt durch Senkung des Wasser­ge­haltes zu einer Revita­li­sierung der Erdöl­pro­duktion. Durch Injektion von isolierten und adaptierten Bakterien sowie einer Melasse-Nährlösung werden deutlich erhöhte Entölungs­raten erreicht. Die injizierten Mikro­or­ga­nismen wachsen und vermehren sich tief in der Lager­stätte und bilden dort hochwirksame Produkte (u.a. Säuren, Gase, Alkohole, Detergenzien).

Für spezi­fische MEOR-Anwendungen bei hohen Minera­li­sa­ti­ons­graden und Tempe­ra­turen hält die MicroPro eine umfang­reiche Bakterien-Stammsammlung bereit.

Die Anwendung von MEOR hat mehrere produktionsfördernde Effekte:

  • Bakte­rielle Gase erhöhen den Lager­stät­ten­druck um bis zu 20 bar und führen damit zu einem Energie­eintrag tief in der Lagerstätte
  • Organische Säuren zersetzen Karbo­nat­an­teile im Gestein und öffnen somit neue Fließwege für das Erdöl
  • Biolipide erhöhen die Benetz­barkeit und brechen Öl/Wasser-Barrieren auf

Durch die genannten Prozesse wird die Erdöl­för­derung auf neue, bisher nicht erschlossene Lager­stät­ten­teile ausge­dehnt und die Entölungsrate der Lager­stätte deutlich erhöht. Pro Tonne Melasse, die in die Lager­stätte injiziert wird, werden zusätzlich ~50 barrel Öl gefördert. Zusätzlich zum Wasser­fluten können noch einmal 10–15% des ursprüng­lichen Öls mehr gefördert werden.

Durch MEOR wird

  • der Wasser­gehalt bei der Förderung um 15 – 30 % gesenkt,
  • die Produk­ti­onsrate der Sonden um bis zu 50 % erhöht,
  • die Erdöl­för­derung um bis zu 150 % gesteigert.

Die Kosten liegen – je nach Aufwand – bei wenigen USD pro mehrge­för­dertem Öl-Barrel.

Technologie

MEOR — Verfahren

Für die MEOR-Behandlung einer Lager­stätte werden ausge­wählte Bakterien in Massen­kultur gezüchtet und gemeinsam mit einer Nährlösung in die Lager­stätte verpresst. MEOR kann sowohl als zykli­sches Verfahren („Huff and puff“) wie auch als konti­nu­ier­licher Flutungs­prozess angewendet werden. Mit dem Injek­ti­ons­wasser werden die Mikro­or­ga­nismen tief in die Lager­stätte getragen, vermehren sich dort und vergären die einge­brachten Nährstoffe.

In der Lager­stätte bilden die Bakterien zahlreiche produk­ti­ons­ver­bes­sernde Substanzen, die zur Verrin­gerung des Verwäs­se­rungs­grades und einer deutlichen Erhöhung der Gesamt­pro­duktion führen.

Bakte­rielle Produkte und deren Auswir­kungen auf die Erdölproduktion:

Gase

Mikro­bielle ProdukteWirkungenLager­stät­ten­pa­ra­meter
CO2 (80 %), H2 (20 %) bis zu 380 ml pro Gramm MelasseErhöhung des Druckes um bis zu 20 barErhöhung des Energie­po­ten­tials in der Lagerstätte
CH4 als Endprodukt aus organi­schen Säuren, Alkoholen und WasserstoffErhöhung des Öl-Volumen-Faktors und damit Senkung der Öl-ViskositätVerbes­serung der Öl-Mobilität
Verän­derung des Druck­po­ten­tials in Klüften und PorenErhöhung der Öl-Produktion

Organische Säuren

Mikro­bielle ProdukteWirkungenLager­stät­ten­pa­ra­meter
Essig‑, Propion‑, Butter- und Valerian-SäureSenkung des  pH Wertes auf 4.8Erhöhung der Gesteinspermeabilität
Lösung von ~ 0,2 Tonnen Karbo­nat­ge­stein pro Tonne MelasseErwei­terung der Ölför­derung auf noch nicht entölte Lagerstättenbereiche
Ausbildung neuer Fließwege

Alkohole, Biolipide

Mikro­bielle ProdukteWirkungenLager­stät­ten­pa­ra­meter
Methanol, Ethanol, Propanol, ButanolSenkung der Grenz­flä­chen­spannung (z.B.für Heptan bis zu 12 — 46,5 mNm-1)Verbes­sertes Eindringens der injizierten Melas­selösung in Klüfte und Poren
Verbes­serung der Benetz­barkeit des GesteinsErhöhung der Ölaus­bringung durch Aufhebung der Öl/Wasser-Barrieren

Die Effekte des MEOR-Verfahrens sind durch zahlreiche Studien und praktische Anwendungen belegt:

  • Erhöhung des Energie­po­ten­tials in der Lagerstätte
  • Verbes­serung des Druck­po­ten­tials in Poren und Klüfte
  • Verrin­gerung der Visko­sität des Erdöls
  • Senkung der Oberflächenspannung
  • Verbes­serung der kapil­laren Adsorption der Flüssigkeiten
  • Erhöhung der Permea­bi­lität durch Säuerung

In zahlreichen Tests und Feldan­wen­dungen konnte die Ölpro­duktion um mehr als 100 % gesteigert werden.

Minimierung der Risiken

Für eine erfolg­reiche Anwendung der MEOR Techno­logie empfehlen wir feldes­spe­zi­fische Vorun­ter­su­chungen. Dazu werden die Lager­stät­ten­pa­ra­meter erfasst sowie Reser­voir­proben unter­sucht. Nur wenn die Lager­stätte für den MEOR Prozess geeignet ist, werden weiter­ge­hende Vorun­ter­su­chungen durchgeführt.

Mit Origi­nal­proben kann der MEOR-Prozess zunächst in Labor­ver­suchen simuliert und die zu erwar­tende Entölungsrate sowie die zu erwar­tende Mehrför­derung prognos­ti­ziert werden. So wird das wirtschaft­liche Risiko vor einer Feldan­wendung erheblich reduziert.

Ein Pilot­versuch an einem reprä­sen­ta­tiven Feldesteil mit wenigen Injektions- und Produk­ti­ons­boh­rungen kann bereits nach kurzer Zeit konkrete Aussagen über die Renta­bi­lität des Prozesses liefern.

Step by Step

Zeitlicher Ablauf

Auswertung und Bewertung vorliegender Feldesdaten

  • Begut­achtung der geolo­gi­schen und geophy­si­ka­li­schen Daten
  • Flüssigkeiten- und Gaszusammensetzung 
    • Chemische Zusam­men­setzung von Öl, Gas und Wasser
    • Öl-Viskosität, Dichte unter Lagerstättenbedingungen
    • Gas-/Öl-/Wasser-Verhältnis
  • Förder­daten
    • Vorhan­denes Öl, Produk­ti­ons­raten, Förder­verlauf, etc.
  • Lager­stät­ten­kon­fi­gu­ration

Chemische und mikrobiologische Voruntersuchungen

  • Bestehende bakte­rielle Besiedlung der Lagerstätte
  • Chemische Zusam­men­setzung der Schichtwässer
  • Anpassung des mikro­bio­lo­gi­schen MEOR-Arbeitsprogrammes an konkrete Lagerstättenbedingungen

Anpassung des MEOR-Verfahrens an die Lagerstättenparameter

  • Auswahl der geeig­neten Bakterien
  • Anpassung und Testung der Bakterien unter techni­schen Bedingungen
  • Optimierung des Nährmediums
  • Analyse der gebil­deten Produkte mit original Probenmaterial
  • Prozess­op­ti­mierung und Auslegung der Feldbehandlung

Bewertung der mikrobiellen Effekte auf die Erdölförderung

  • Modell­ver­suche an Kernen unter Lager­stät­ten­be­din­gungen zur Bewertung der MEOR-Effektivität

MEILENSTEIN: Entscheidung über eine MEOR-Feldanwendung

Bau und Installation der technischen Anlagen

Feldbehandlung mit MEOR-Verfahren unter laufender Prozesskontrolle

Fallbeispiele

MEOR — Fallbeispiele

Prinzi­piell ist das MEOR-Verfahren in allen Lager­stätten anwendbar, wenn die physi­ka­li­schen und chemi­schen Voraus­set­zungen für bakte­ri­elles Wachstum gegeben sind.

Besonders geeignet ist MEOR für karbo­na­tische Lager­stätten, die ca. 50% der weltweiten Forma­tionen ausmachen. Hier sind viele andere EOR-Verfahren (Polymer- Tensid- oder Säure­fluten) aufgrund chemi­scher Reaktionen nur wenig effektiv. Die beson­deren Vorteile des MEOR-Verfahrens auf Melasse-Basis in Karbonat-Formationen sind:

  • Die einge­brachten Bakterien verbreiten sich schneller und weiter durch Poren, Risse und Kanäle
  • Die Wirkung der gebil­deten biolo­gi­schen Produkte erfolgt tief in der Lager­stätte und nicht nur im sonden­nahen Raum
  • Die Blockierung von ölfüh­renden Bereichen durch Adsorption und Aufwachsen von Bakterien ist minimiert
  • Karbonate neutra­li­sieren die produ­zierten organi­schen Säuren, was die Neubildung von mikro­biellen Produkten erhöht
  • Durch Gesteins­lösung wird die Permea­bi­lität erhöht. Dadurch werden neue, noch nicht entölte Reser­voir­be­reiche für die Förderung erschlossen.

Die folgenden Fallbei­spiele verdeut­lichen die vielfäl­tigen positiven Effekte von MEOR an prakti­schen Beispielen.

Publikationen

  • Wagner, M., et.al. (1995) Develo­pment and Appli­cation of a New Biotech­nology of Molasses in-situ Method — Detailed Evaluation for Selected Wells in Romaschkino Carbonate Reservoir
    5th MEOR Confe­rence, Dallas, Texas 9
  • Wagner, M. et.al.: Verfahren und Anlage zur Herstellung von Impfgut für eine verbes­serte Erdöl­för­derung
    P 4307334, 24.04.1995
  • Wagner, M. (1994) Microbial Improved Oil Recovery
    Oil and Gas Technology, 3
  • Muslimov, R. et.al. Wagner, M. (1993) Microbial Improved Oil Recovery in Carbonate Reser­voirs — Prepa­ration of a Pilot Project in the Oil Field Romaschkino, Republic of Tartarstan
    7th European IOR Symposium, Moskau
  • Wagner, M. et.al. (1993) Micro­bially Improved Oil Recovery from Carbonate Reser­voirs
    Procee­dings Inter­na­tional Biohy­dro­me­tallurgy Symposium, Jackson Hole, Wyoming, USA
  • Wagner, M. et.al.: Verfahren zur Unter­drü­ckung sulfat­re­du­zie­render Bakterien bei MIOR
    DE 41 27 744 A1, 25.02.1993
  • Wagner, M. (1991) Microbial Enhancement of Oil Recovery from Carbonate Reser­voirs with Complex Formation Charac­te­ristics
    Procee­dings of the 1990 int. Conf. On Microbial Enhancement of Oil Recovery, Develo­p­ments in Petroleum Science 31 Elsevier
  • Wagner, M. et.al.: Stimulierungs- und Inten­si­vie­rungs­ver­fahren zur Gewinnung von Kohlen­was­ser­stoffen
    DL PS 277 297, 28.03.1990
  • Wagner, M. et.al.: Verfahren zur mikro­biellen Sekun­där­ge­winnung von Erdölen
    DL PS 2007 515, 08.06.1983